Land der Sammler

Österreich zählt bei der Abfallsammlung und -verwertung zu den Quotenkaisern in Europa. Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft sieht die Europäische Union bis 2020 und darüber hinaus neue Recyclingquoten vor. Was sich bei Alttextilien und Einwegplastik ändert, lesen Sie hier.

© Umweltbundesamt/B. Gröger

In Österreich wurden im Jahr 2017 rund 36.000 Tonnen Alttextilien aus Haushalten getrennt gesammelt. Das zeigt der aktuelle Statusbericht zur Abfallwirtschaft des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus, für den das Umweltbundesamt die Datengrundlage erstellt. Altkleider und -schuhe werden derzeit von Hilfsorganisationen wie Caritas, Rotes Kreuz, Volkshilfe oder Humana getrennt gesammelt, sortiert und entweder direkt einem gemeinnützigen Zweck zugeführt oder als Gebrauchtware verkauft. Nicht verwendbare Textilien werden soweit wie möglich für andere Zwecke recycelt, zum Beispiel zur Herstellung von Reinigungstüchern. Der verbleibende Rest wird als Abfall verwertet oder beseitigt.

Neue Quoten für alte Textilien

 

Obwohl es bei ausrangierter Kleidung und ausgemusterten Schuhen Alternativen zur Entsorgung gibt, landet der Großteil der Alttextilien im Restmüll. Insgesamt kommt da einiges zusammen. Schaut man genau hin und rechnet Stichproben einzelner Restmüllanalysen hoch, ergibt sich daraus eine Menge von 140.000 Tonnen Alttextilien und -schuhe pro Jahr im Restmüll. Dieser Anteil von Alttextilien, der nicht weiter verwertet werden kann, soll deutlich schrumpfen. Dafür sorgt die EU- Abfallrahmenrichtlinie, deren Bestimmungen bis Mitte 2020 im österreichischen Abfallrecht umgesetzt werden müssen. Bis zum Jahr 2025 muss eine getrennte Sammlung für Alttextilien eingeführt werden, als Voraussetzung für das Recycling von Textilabfällen. Neu ist, dass künftig nicht nur Altkleider und -schuhe, sondern auch Gebrauchstextilien wie Vorhänge und Bettwäsche getrennt gesammelt werden müssen. Die Europäische Kommission zieht auch die Festlegung von Recyclingzielen für Textilabfälle in Betracht.

Tauschen statt Tonne

 

Vor dem Sammeln oder dem Recycling steht aber die Frage, ob die gebrauchte Kleidung wirklich schon ausgedient hat. Beschädigte Kleidung kann repariert oder umgearbeitet werden. Kleidung, die nicht mehr gefällt, kann man tauschen oder zu Hilfsorganisationen bringen. Altkleider und -schuhe, die in Sammelcontainern eingebracht werden, werden zu einem hohen Anteil verwertet. Das zeigt eine aktuelle Studie des Umweltbundesamts im Auftrag von Humana. Rund 67% der abgegebenen Alttextilien werden dort als Gebrauchtkleider und -schuhe vermarktet, 23% werden recycelt und rund 10% als Abfall entsorgt. Auch ein neuer Trend in Sachen Alttextilien: Inzwischen bieten schon manche Textilhändler an, gebrauchte Kleidung in den Geschäften zurückzunehmen.

 

Mehr Recycling bis 2035

© Umweltbundesamt

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union setzen sich nicht nur bei der Abfalltrennung sondern auch beim Recycling ambitionierte Ziele. Österreich hat dafür eine gute Ausgangsposition. Das Ziel, bis 2020 fünfzig Prozent der Siedlungsabfälle zu recyceln, wird schon seit vielen Jahren erreicht. In den letzten Jahren lag die Recyclingquote für Siedlungsabfälle immer knapp unter 60 %. Im Jahr 2017 fielen rund 4,3 Mio. Tonnen Siedlungsabfälle aus Haushalten und ähnlichen Einrichtungen an. Bezogen auf die Durchschnittsbevölkerung entspricht dies einem Siedlungsabfallaufkommen von 490 kg pro Person. Bis 2035 müssen 65% der Siedlungsabfälle entweder recycelt oder für die Wiederverwendung vorbereitet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind weitere Anstrengungen nötig, die durch Änderungen im Abfallwirtschaftsgesetz rechtlich verankert werden.

 

Auch die Verwertung von Biomüll durch Kompostierung oder Vergärung kann in die Recyclingquote eingerechnet werden, aber nur, wenn die biogenen Abfälle getrennt vom Restmüll gesammelt wurden. Außerdem müssen der Kompost und der Gärrest auf zulässige Weise verwertet werden, das heißt sie dürfen nicht verbrannt oder deponiert werden. Das Umweltbundesamt berechnet derzeit die Mengen, die sich nach den neuen Berechnungsverfahren der Recyclingquote zurechnen lassen und analysiert, inwieweit Restmüllanalysen einen Rückschluss auf die Menge der Eigenkompostierung ermöglichen.

 

Neue Ziele für Kunststoffe

© Umweltbundesamt

Vermehrte Anstrengungen braucht es auch, um die neuen Recyclingziele für Kunststoffverpackungen zu erreichen. Österreich liegt mit 100.000 Tonnen Recyclingmenge und 34% weit über dem aktuellen EU-Recyclingziel von 22,5%. Im Jahr 2025 müssen jedoch 50% Recyclingquote erreicht werden, bis zum Jahr 2030 ist eine Recyclingquote von 55%.  Darüber hinaus muss die getrennte Sammlung von Kunststoffeinweg-Getränkeflaschen angekurbelt werden. Ziel ist, ab 2025 77 % der Flaschen getrennt zu sammeln und ab 2029 90 %. Dafür braucht es einen Mix verschiedener Maßnahmen. Ob das Recycling von Kunststoffverpackungen, die aus dem Restmüll aussortiert werden, für die Erfüllung der Sammelquote angerechnet werden darf, wird derzeit auf Anfrage aus Österreich auf europäischer Ebene geprüft.

Auswirkungen für Sammelinfrastruktur und Logistik

 

Höhere Recyclingquoten bedeuten, dass auch die Mengen, die getrennt gesammelt werden, steigen müssen. Das erfordert eine Anpassung der Sammelinfrastruktur und Logistik. Wien hat auf diesen Bedarf bereits reagiert und die getrennte Sammlung von Kunststoffverpackungsabfällen und Metallen zusammengelegt. Seit 2019 wandern Plastikflaschen, Getränkekartons und Dosen in einen gemeinsamen, blaugelben Vorsammelbehälter. Das spart Platz und Transportkosten und soll zu mehr getrennten Altstoffen und damit zu mehr Recycling führen.

 

Produzenten in der Pflicht

 

Die gute Nachricht für Kommunen ist, dass die Kosten für Abfallbewirtschaftung und Reinigung von Einwegkunststoffartikeln vom Verursacher übernommen werden müssen. Zu diesem Zweck wird eine erweiterte Herstellerverantwortung eingeführt. Sie betrifft auch achtlos an öffentlichen Plätzen und in der Natur weggeworfenen Einwegkunststoffartikel, das so genannte Littering. Die Hersteller müssen sich künftig an den Kosten für Sammlung und Beseitigung beteiligen.

Chance Kreislaufwirtschaft

 

Die getrennte Sammlung von Alttextilien und die neuen Recyclingziele stellen auch Österreich, als einen der Vorreiter für den Umgang mit Abfällen in Europa, vor Herausforderungen. Es sind aber wichtige und notwendige Schritte auf dem Weg von der linearen zur zirkulären Abfallwirtschaft. Ziel ist es, die Umwelt zu schützen und Wiederverwendung, Reparatur und Recycling bereits im Design- und Herstellungsprozess zu berücksichtigen. Gelingt das, liegt in der Kreislaufwirtschaft eine große Chance auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft und einer neuen Ressourceneffizienz. Der effizienteste Weg zur Reduktion von Abfällen und für einen schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen ist noch immer die Abfallvermeidung. Nachhaltige Produktion und nachhaltiger Konsum können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten.

 

Anmerkung: Dieser Artikel ist in der Februar-Ausgabe 2020 des Gemeindemagazins PUBLIC als Gastbeitrag erschienen. 

Infobox

Links

Aktuelle Daten zur Abfallwirtschaft in Ö (Bundes-Abfallwirtschaftsplan, Statusbericht 2019)

Humana-Studie