Von Hitzewellen und Wasserquellen

Österreich ist ein wasserreiches Land. Zunehmende Trockenheit und unterschiedlich verteilte Grundwasserressourcen können aber regional und saisonal zu Engpässen führen. Damit dieser Wasserschatz auch noch in 40 Jahren selbst in den trockeneren Regionen Österreichs verfügbar ist, planen ExpertInnen schon heute die Grundlagen für die Bewirtschaftung von morgen.

© Umweltbundesamt/B. Gröger

Österreich ist aufgrund seiner geografischen Lage und den geologischen Bedingungen in der glücklichen Situation, ausreichend Wasser zur Verfügung zu haben. Damit auch die Qualität stimmt, werden Grundwasser, Flüsse und Seen seit Anfang der 90er Jahre nach einheitlichen, gesetzlich vorgegebenen Kriterien überwacht. Mehrmals pro Jahr werden Wasserproben aus dem flächendeckenden Messnetz untersucht. Unter besonderer Beobachtung steht dabei das Grundwasser, die wichtigste Quelle für Trinkwasser in Österreich. Es bedarf im Vergleich zum Oberflächenwasser aus Flüssen oder Seen meist keiner Aufbereitung. Zudem ist Grundwasser in wirklich großer Menge vorhanden. Genau die steht im Projekt Wasserschatz Österreichs des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) im Mittelpunkt. ExpertInnen des Umweltbundesamts, der Universität für Bodenkultur und des Ingenieurbüros Holler ermitteln im Auftrag des BMLRT, wie groß der Wasserbedarf für Trinkwasserversorgung, Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft derzeit ist. Zusätzlich analysieren sie, wie viel Grundwasser langfristig, ohne nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt, entnommen werden kann. Mit Hilfe von Szenarien für das Jahr 2050 wird berechnet, wie sich das Verhältnis zwischen Wasserbedarf und verfügbaren Grundwasserressourcen entwickeln kann. Damit wird bis Ende 2020 eine wichtige Grundlage für Planungen und Vorsorgemaßnahmen geschaffen.

Wasser im (Klima-) Wandel

© Umweltbundesamt

Eine besondere Rolle bei diesen Analysen spielt der Klimawandel. Mit ihm gehen Niederschlagsänderungen, steigende Temperaturen, erhöhte Verdunstung und längere Vegetationsperioden einher. Sie haben schon in den letzten Jahren regional und saisonal vereinzelt zu Engpässen in der Wasserversorgung geführt. Grundwasser wird hauptsächlich durch Niederschläge neu gebildet. Aus den Grundwasserressourcen können je nach Region nur zwischen ein und fünf Prozent der gesamten Niederschlagsmenge entnommen werden, ohne dass es zu nachteiligen Auswirkungen kommt. In manchen Regionen, vor allem im Süden und Osten Österreichs, ist daher Grundwasser nicht unendlich verfügbar. Und das obwohl von der österreichweit verfügbaren Wassermenge, nur etwa ein Prozent für Trinkwasser verwendet wird, inklusive der Nutzung für Landwirtschaft und Industrie sind es rund drei Prozent.

 

Durch den Klimawandel kann sich der Grundwasservorrat verringern und zugleich der Wasserbedarf erhöhen. Eine längere Vegetationsperiode, Trocken- und Hitzeperiodenführen vor allem in der Landwirtschaft zu regional und zeitlich begrenztem hohem Wassereinsatz. Aber ein Mehrverbrauch für private Gärten und Pools macht sich auch in der öffentlichen Wasserversorgung bemerkbar, Dadurch entstehen Verbrauchsspitzen, die zwar nicht sofort zu einem sinkenden Grundwasserspiegel führen, sich aber nach mehreren, aufeinander folgenden Trockenperioden sehr wohl auswirken. Als Reaktion darauf haben sich in den trockeneren Regionen Österreichs Infrastrukturen, wie z. B. Zusammenschlüsse kleinerer Versorgungseinheiten, überregionalen Netzen, etabliert. Durch diese Infrastrukturen kann die Versorgung mit Trinkwasser auch in Trockenperioden sichergestellt werden. Gemeinden setzen zudem vermehrt auf Verbrauchssteuerung und Bewusstseinsbildung. Die grundlegende Aufgabe der Wasserwirtschaft, das Management von zu viel und zu wenig Wasser sowie Erhalt der Wasserqualität, wird durch häufigere Trockenperioden, extreme Niederschläge und Überflutungen anspruchsvoller.

Wasserwissen für Generationen

Für die nachhaltige, dem Klimawandel angepasste Bewirtschaftung von Wasserressourcen können die ExpertInnen aus dem Vollen schöpfen. Aus welchen Quellen sich das Grundwasser in Österreich speist und wie sich Qualität und Wasserhaushalt entwickeln, wird von ExpertInnen des Umweltbundesamtes seit mehr als 30 Jahren umfassend analysiert. Seit Anfang der 1990er Jahre werden regelmäßig Proben von rund 2.000 Grundwassermessstellen in Österreich gezogen und nach einheitlichen, gesetzlich vorgegebenen Kriterien auf mehr als 180 chemische Parameter analysiert. Sondermessprogramme stellen sicher, dass auch neu auftauchende Schadstoffe entdeckt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Das Untersuchungsprogramm wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus in enger Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt und den Ämtern der Landesregierungen umgesetzt.

 

Die regelmäßige und flächendeckende Bewertung der Grundwasserqualität stellt einen nicht versiegenden Datenschatz für die wasserwirtschaftliche Planung, für Gemeinden, Bürgerinnen und Bürger, dar.

Ihre Meinung zur Zukunft unserer Gewässer ist gefragt!

Mit dem Ziel, für Österreichs Gewässer einen guten Zustand zu erreichen, bereitet das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus derzeit den dritten Gewässerbewirtschaftungsplan vor. BürgerInnen können sich bis 22. Juni 2020 einbringen und ihre Meinung zu den wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen der Zukunft abgeben. Ihre Anmerkungen sollen helfen, das Maßnahmenprogramm für die Planungsperiode 2021 bis 2027 vorzubereiten. Die Erstellung eines Gewässerbewirtschaftungsplans ist in der EU-Wasserrahmenrichtlinie festgelegt. Sie fordert die Einhaltung chemischer und ökologischer Standards, damit unsere Gewässer ökologisch funktionsfähige Lebensräume für Tiere und Pflanzen bleiben und gleichzeitig weiterhin unterschiedliche Nutzungsansprüche der Menschen erfüllen.

 

Anmerkung: Dieser Artikel ist in der Mai-Ausgabe 2020 des Gemeindemagazins PUBLIC als Gastbeitrag erschienen.

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